Nachdem ich wieder ein paar Tage hier bin und sich Alles ein bissle gesetzt hat: wie wenig ich über Afrika weiß, fast gar nix. Bevor ich die Reise geplant habe, hatte ich noch nicht mal gewusst, wo Rwanda überhaupt ist.
In Kigali war ich im Genozid-Memorial, das mich sehr an das Holocaust-Mahnmal in Berlin erinnert hat. Was mich (als ehemaliger Katholik) richtig gewürgt hat: die Pfaffen aller Couleur haben zugesehen. Während meines Aufenthalts in Kigali gab es eine Konferenz der Pfaffen, die so geendet hat: mea culpa. Und die die mit unserer Hilfe totgeschlagen wurden, sind ja jetzt im Himmel.
Sofern es noch ambitionierte Wissenschaftler gibt - here we go: die Rolle der katholischen Kirche im Genozid in Rwanda 1994. Und wenn es solche Wissenschaftler nicht mehr gibt, mach ich das. -
1994 wurden in Rwanda in drei Monaten eine Million Menschen totgeschlagen. Die UN hat´s gewusst, die Amerikaner haben´s gewusst, die Europäer haben´s gewusst. Alle haben´s gewusst.
Roméo Dallaire, der damalige Chef der UN-Sicherheitskräfte, hat darüber ein Buch geschrieben, das ich die letzten Tage gelesen habe: "Handschlag mit dem Teufel" (gibt´s zur Zeit bei 2001).
Es gibt ein Fax von Roméo Dallaire an den obersten UN-Chef (das war 1994 Kofi Annan), in dem Dallaire um das Mandat bittet, den Genozid zu stoppen. Wurde abschlägig beschieden. Von Kofi Annan. Kofi Annan hat 1991 den Friedensnobelpreis erhalten. -
Mir ist schon klar, dass jeden Tag irgendwo auf dem Planeten ne Menge Scheiße passiert - und dass man schlichtweg auch nicht Alles wissen kann. Und selbst wenn - und dann?
Der Anspruch bleibt, nichtsdestotrotz: "Ungerechtigkeit muss sein, sonst kommt es zu keinem Ende" (Karl Kraus).
Dezember 06, 2008
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2 Kommentare:
Hallo Tigerle,
ich dachte hier etwas aus der Ferne lesen zu können. Bist ja wieder ein paar hundert Meter weg ....
TeeCee
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